12 / 12 / 10

Das Dach und der Mensch.

Über den Dächern ist es stille
Nichts zu hören weit und breit.
Nur ein Mann nutzt die Idylle
Genießt mit einem Joint die Zeit.

Da erklingt eine Stimme klar und laut:
Ich bin Dach und ich bin oben
Der Mann seinen Ohren nicht ganz traut.
Hat er sich mit dem Joint überhoben?

Das Dach redet weiter munter los
Du hörst ganz recht, mein Freund.
Ihr seid nichts und ich bin groß
Ja, schieb es ruhig auf deinen Joint

Der Mann lächelt recht nachsichtig:
„Dach, du kannst doch gar nicht sprechen.
Das Dach erwidert: Ganz Richtig.
Aber jeden Moment einbrechen.

Der Mann beeilt sich Recht zu geben.
Preist das Dach und seine Worte.
Unter ihm fängt es an zu beben.
Er denkt im Fall: Was ne Sorte.

31 / 10 / 10

Mensch. Mensch. Mensch.

Es trägt die Plastikflaschen der Welt
Kriegt niemals Pfand. Hat kein bisschen Geld.
Es hat mehr Öl als jeder Scheich.
Bleibt trotz allem arm. Wird nicht mehr reich.
Fühlt sich manchmal leer: Das Meer.

Sie will soviel, wie sie kriegen kann.
Kriegt nie genug. Nimmt es gerne an.
Sie trägt ein Kleid aus feinsten Stoffen.
Mit zwei Löchern. Wir sind betroffen.
Der letzte löscht das Licht. Tschüss, Ozonschicht.

Er schmilzt dahin wie voller Liebe.
Tatsächlich regnet es nur Hiebe.
Er lebt am kühlsten Ort unserer Welt.
Hätte gern die Heizung abgestellt.
Dreht langsam wirklich hohl: der Pol.

Er herrscht über Flora wie auch Fauna.
Liebt es nicht und baut sich eine Sauna.
Er ist der Problemmüll auf Erden.
Und muss demnächst wohl entsorgt werden.
Mensch. Mensch. Mensch.

25 / 07 / 10

Ein Freund der Regierung. Die Vorgeschichte.

Bela Bonzo kniff die Augen zusammen und beobachtete die rötliche Staubwolke am Morgenhorizont, bis sich seine größte Sorge zur Gewissheit verdichtet hatte. Sie kamen. Die Wolke wurde größer und größer, schon konnte er ihre verdreckten Lieferfahrzeuge erkennen. Er gab seiner Frau mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie ins Haus gehen sollte, dann lies er sich schwer und ergeben auf die Bank neben der Tür sinken. Die Fahrzeugkolonne bog in den steinigen Weg zu seinem Haus ein, steuerte mit unverminderter Geschwindigkeit auf ihn zu und kam Sand, Schlamm und Steine schleudernd äußerst knapp vor ihm zum Stehen.

Türen flogen auf, unauffällige Beamte in den Blousons der einfachen Menschen aus den Randbezirken sprangen heraus, eilten auf ihn zu und nahmen wortlos um ihn herum Position ein. Als letzter schritt jetzt gemächlich ein höflich wirkender Beamter in makelloser Kleidung heran, lächelte ihn sanft an und schlug ihm ansatzlos mit schwerer Faust ins ungeschützte Gesicht. Er spürte einen Moment gar nichts, dann überzog sich seine Wahrnehmung mit einem Schleier, nur seine vertäubte Zunge fühlte noch etwas Hartes in der Backentasche, alles wurde Salz. » weiter

20 / 06 / 10

Volk oder die kleine Königin Angela.

Es war einmal eine Prinzessin, die wollte unbedingt Königin werden. Ihr Hofstaat aber bestand aus lauter schwarzen Fürsten, die selbst gern König gewesen wären – und außerdem keine Lust hatten, sich von einer Frau regieren zu lassen. Am Hofe lebte auch ein kleiner Mann namens Volker. Der war so klein, dass ihn der Hofstaat verächtlich nur Volk nannte und ihn meist links liegen lies » weiter

25 / 05 / 10

Lauf, Jogger, Lauf.

Jogger in Vancouver leben gefährlich. Als scheinbar flüchtendes Lebewesen passen sie perfekt ins Beuteschema der zahlreichen Grizzlys der Region. Bei einem Angriff stellt man sich am Besten gleich tot.
Mit etwas Glück packt einen der 0,7-Tonner dann nur am Genick und schleift einen in einer Staubwolke in seine Bau, um dort seinen neuen Nahrungsvorrat einzubuddeln.

Jetzt verhält man sich nach Möglichkeit ruhig und hofft, dass sein Röcheln und Grunzen irgendwann leiser und gleichmässiger wird. Dann gräbt man sich leise Erdklumpen um Erdklumpen wieder aus und versucht, auf Zehenspitzen an der ruhenden Bestie vorbei den rettenden Höhlenausgang zu erreichen.

Kommt man da heil raus, empfiehlt sich neben frischer Wäsche ein Besuch bei einem guten Psychologen.
Angeblich soll es ja Pläne geben, Grizzlys an der Außenalster anzusiedeln.

21 / 05 / 10

Verrückte Gemeinschaftswährung!

Du scheinst an einer besonders prekären Form der
Persönlichkeitsstörung zu leiden: Nennst Dich Euro,
hast Dich immer für eine D-Mark gehalten und bist
tatsächlich eine Drachme.

30 / 04 / 10

Hau rein!

Die Lösung im Umgang mit gewaltbereiten Jugendlichen heißt Geduld. Irgendwann sind sie schließlich keine Jugendlichen mehr.

25 / 04 / 10

Vom Input.

Ohne Input geht wenig.

24 / 04 / 10

Kultursensibel.

Ich lungere in extrem lässiger Haltung vor dem Ankunfsterminal des Hamburger Flughafens herum. Ein Herr südamerikanischer oder karibischer Herkunft kommt mit seinem Flughafen-Trolley durch die Drehtür, Haltung und Gesichtsausdruck lassen vermuten, dass er schon länger unterwegs ist. Dies bestätigt sich mit einem Blick auf seinen Kofferaufkleber, tatsächlich hat der Herr gerade zwanzig Stunden Flug aus Kingston/Jamaica hinter sich.

Ich stürme schreiend auf ihn zu, umarme den sichtlich erschrocken Mann und versichere ihm lautstark meine lebenslange Freundschaft. Jetzt winke ich einige angetrunkene abgerissene Gestalten heran, stelle diese dem Mann ebenfalls als seine besten Freunde vor, wir entwinden ihm gemeinsam seinen Trolley und führen den völlig Überrumpelten mit kräftigem Griff zu einem kleinen Stand am Flughafenparkplatz. Hier stapeln sich Pappbecher, Kugelschreiber und anderer Plastik- und Blech-Nippes. » weiter

24 / 02 / 10

Lasst die Sau raus.

Bänker, Asylanten, wirtschaftsflüchtige Reiche, hartz4-verprassende Spätdekadente mit 4,50 Euro am Tag, Muslime, Schweizer, das Andere an sich – jeden Tag wird eine neue Feindbild-Sau durchs Dorf getrieben, und über die Monate und Jahre hinweg fällt auf, dass es immer die Gleichen sind. Gleichzeitig fangen die Säue auch noch an, sich untereinander mit Dreck zu bewerfen.

Man siehe nur, wie Guido Westerwelle, Repräsentant einer marktradikalen Philosophie, die die Welt an den wirtschaftlichen Abgrund gebracht hat, jetzt die Opfer eben dieser Philosophie verbal einsaut.
Sauerei? Ja. » weiter